Dietlingen

 

Kapelle Dietlingen (vgl. Amtsblatt Weilheim Nr. 100/2017 Bericht von Tanja Boronski)

Die Fridolinskapelle ist für jeden Besucher des kleinen Dorfes sofort im Blickfeld. 1701 wurde sie erstmals erwähnt aber man geht davon aus, dass die Kapelle damals lediglich erweitert oder teilerneuert wurde. Über die Jahrhunderte hinweg war die Dietlinger Kapelle eine Wallfahrtskirche. Der Legende nach soll der Hl. Fridolin bei seinen Missionswanderungen durch Süddeutschland auch durch Dietlingen gekommen sein und am Standort der Kapelle einst sein Nachtlager unter einer Eiche aufgeschlagen haben.

Noch heute gibt, beim Eingang in die Sakristei, ein Wappen eines sanktblasischen Abtes, mit Fisch, halbem Mühlrad und Mitra, Zeugnis davon, dass Dietlingen zeitweise auch unter der Leitung des Klosters St. Blasien stand und die Bauern des Dorfes ihre Erzeugnisse als Zins und Zehnten an das Kloster abführen mussten.

1984/85 erfolgte die letzte umfangreiche Renovierung der Kapelle, die zunächst nur als Außenrenovierung gedacht war. Der Salpeter und ein marodes Dachwerk machten die Maßnahme nötig. In diesem Zug der Baumaßnahmen wurde der Turm verändert und versetzt. Verschiedene Behörden, die zusammenarbeiteten, waren sich aber bald mit den Dorfbewohnern einig, dass das Dietlinger Schmuckstück auch im Innern in neuem Glanz erstrahlen sollte.

Unzählige Fridolinskapellen und -kirchen wurden damals von Frau Gisela Maier besucht, die sich auf die Suche machte, nach einer neuen, passenden Fridolins-Statue für den Altarraum. Mit ihrer eigenen und einer Spende von Otto Gamp sen. konnte die kunstvolle, in Südtirol geschnitzte Fridolinsfigur sowie neue Kronleuchter für den Kapellenraum, angeschafft werden. Gisela Maier machte sich auch stark dafür, dass die Figuren des Hl. Wendelin, dem Schutzpatron der Bauern und des Hl. Rochus dem Schutzpatron der Pestkranken, im Eingangsbereich wieder ihren Platz fanden. Die dafür nötigen Podeste ließ sie, ebenfalls auf eigene Kosten, anfertigen.

Frau Gisela Maier hat sich in Dietlingen stark für die Pflege von Kultur und Tradition eingesetzt. Alle Schüler beteiligten sich zum Beispiel an der Anfertigung eines Blumenteppichs, der alljährlich am Mittwoch vor Pfingsten, aus Anlass einer Wallfahrt nach Todtmoos, gelegt wird. Sie lehrte ihre Schüler Fastnachtslieder und Lieder zum St. Martin. Sie fertigte mit ihnen kunstvolle Laternen an und begleitete sie viele Jahre bei den Umzügen durch das Dorf. Diese Traditionen sind fest in den Köpfen verankert und werden auch heute noch gepflegt. Sehr zur Freude von Frau Maier und den Einheimischen zeigen dabei auch die „Neubürger“ diesbezüglich viel Engagement. Stolz sind die Dietlinger auch auf ihren Wasserfall und freuen sich, dass die Landjugend Weilheim dort alljährlich an Christi Himmelfahrt ein Wasserfallfest für die Bevölkerung feiert.