Chronik Weilheim

 

Pfarrgemeinde Weilheim feiert 2015, das 400-jährige Weihejubiläum ihrer Pfarrkirche St. Peter und Paul

Es war der 8. September 1615, als die Weilheimer Kirche vom Konstanzer Weihbischof Jakob Mirgel eingeweiht wurde. Die Anfänge der Kirchengründung können leider nur noch teilweise erschlossen werden. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich bereits 1256 mit der Bezeichnung des Pfarrers Berthold von Gutenburg. Weitere Wurzeln greifen in die Zeit, als Weilheim dem Kloster Sankt Gallen angehörte, und Urkunden des Reichsklosters enthalten erste schriftliche Hinweise auf Weilheim im Jahr 929. Deshalb ist auch anzunehmen, dass bereits in dieser Zeit hier eine Kirche existierte. Stifter des Gotteshauses waren vermutlich die Freiherren von Gutenburg. Hinweise darauf finden sich im ältesten Jahrzeitbuch, das während des Dreißigjährigen Krieges vom damaligen Pfarrer Künelin abgeschrieben wurde.

Eine merkwürdige Sage über den ersten Spatenstich des Baus unserer Kirche erzählt man sich bis heute. Bauern hätten Steine, Holz und Sand zum ausgewählten Bauplatz gebracht, wo am nächsten Tag das Fundament ausgehoben werden sollte. Über Nacht verschwand allerdings unbemerkt das gesamte Baumaterial und tauchte an dem Platz wieder auf, an dem heute die Weilheimer Kirche steht. Kern der Legende ist, dass die Kirche an einem besonders heiligen und markanten Platz stehen sollte. Es wird sogar vermutet, dass hier schon ein römisches Bauwerk stand.

Nach rund sechsjähriger Bauzeit konnte die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden. Bis heute hat sich der Bau nicht wesentlich verändert. Das Langhaus war etwas kürzer und hatte einen Vorbau. Der Turm maß eine Höhe von 21 Metern und war somit um sieben Meter kleiner als der Turm, wie wir ihn kennen. Im Erdgeschoss befand sich eine 9 m² große Rüstkammer, die darauf hinweist, dass die Kirche und besonders der Turm auch als Wehrkirche gedacht war. Die schießschartenartigen Maueröffnungen lassen noch heute darauf schliessen. Prächtige Malereien schmückten das Renaissancebauwerk; man vermutet noch heute unter dem Putz einige Gemälde. 1763 wurde die Kirche vergrößert und renoviert sowie das Pfarrhaus gebaut. Maßgebend war nun der Barockstil, der das Gotteshaus bis zum heutigen Tag prägt. Besonders stolz durfte und darf die Gemeinde auf das Patronat ihrer Pfarrkirche sein. Sankt Peter und Paul als Schutzpatrone weisen auf die Gründung der Kirche als sogenannte Eigenkirche hin. Das heisst, dass die Grundbesitzer, ursprünglich Sankt Gallen bzw. fränkische Adelige, auf eigenem Grund eine Eigenkirche mit allen Rechten bauten.

Das Innere der Kirche beeindruckt mit einer harmonischen barocken Pracht des Altarraums, Steinaltären, Kanzel, Beichtstühle und Stuckaturen. Hierbei handelt es sich um eine nachbarocke Schöpfung aus dem 19. und 20. Jahrhundert. 1820 entstanden Hochaltar mit Herz-Jesu-Statue und Kanzel durch den Hofbildhauer Ignaz Brunner aus Donaueschingen. Am 13. September 1834 platzt in die geplante Neugestaltung der Kirche ein Großbrand, bei dem zwar die Kirche größtenteils gerettet werden konnte, trotzdem aber Schäden an Stuck und Altären entstanden. Erst 1911 wurde eine umfassende Renovierung in die Wege geleitet. Dabei wurden unersetzliche Kunstwerke wie der Heilige Geist, das Auge Gottes, das Jüngste Gericht mit Wappendarstellungen und viele andere Kunstgegenstände zerstört oder übertüncht. 1958 verlängerte man das Kirchenschiff um vier Meter nach Südwesten, zum Haupteingang kam ein weiterer Zugang von der Strassenseite hinzu.

Zur wertvollen Ausstattung der Kirche gehören drei Statuen aus der Barock- bzw. Spätbarockzeit: die Mondsichelmadonna, Sankt Johannes und ein Heiliger, bei dem man bis heute nicht weiss, um wen es sich bei dieser Figur handelt. Am kostbarsten ist die Mondsichelmadonna, die um 1700 entstanden ist. Diese Statue war Fixpunkt der Rosenkranzbruderschaft, die auch in Weilheim beheimatet war. Ihre Mitglieder beteten wöchentlich drei Rosenkränze, beichteten öfters, gaben ein besonderes Geldopfer und nahmen regelmäßig an allen Sonn- und Feiertagsgottesdiensten und Prozessionen teil. Grosses Glück ist, dass über all die Jahre vier prächtige bunte Kirchenfenster im Schiff und Chor erhalten geblieben sind.

Text: Tanja Borenski